Hi zusammen,
ihr kennt diese Abende. Ihr packt den Hund ins Auto, fahrt vom Hundeplatz nach Hause, das Radio bleibt aus und die Stimmung ist im Keller. Der Gedanke im Kopf: „Das war heute gar nichts. Das sah furchtbar aus. Nichts hat geklappt.“
Wir neigen dazu, solche Trainingseinheiten als Niederlage zu verbuchen. Wir sind enttäuscht, weil unsere Erwartungshaltung (perfektes Bild, reibungsloser Ablauf) mit der Realität kollidiert ist. Aber heute möchte ich euch eine andere Perspektive geben: Genau diese Einheiten sind die wertvollsten.
Warum? Weil Training nicht dazu da ist, gut auszusehen. Training ist dazu da, dich und deinen Hund weiterzubringen.
Die Falle der Komfortzone
Beobachtet euch mal selbst oder andere auf dem Platz. Was wird am liebsten trainiert? Richtig: Die Dinge, die der Hund schon kann.
Wir lassen den Hund sitzen (kann er), rufen ihn ab (klappt super) und freuen uns über das harmonische Bild. Das fühlt sich gut an. Es gibt Dopamin für den Hundeführer und Lob von den Zuschauern. Aber Hand aufs Herz: Das ist kein Training. Das ist Vorführung.
Wer immer nur das übt, was gut klappt, bewegt sich in der Komfortzone. Da ist es kuschelig warm, aber dort wächst nichts. Weder das Können des Hundes noch deine Kompetenz als Hundeführer.
Lernen passiert durch Reibung
Echter Fortschritt – sowohl bei dir als auch beim Hund – findet genau dann statt, wenn etwas nicht klappt.
Wenn der Hund ein Hörzeichen nicht annimmt, wenn er die Position verlässt oder wenn er dich fragend anschaut, dann seid ihr an einem Punkt angelangt, an dem ihr arbeiten müsst. Das ist der Moment der Wahrheit.
- Für den Hund: Er muss nachdenken. Er muss merken: „Okay, Weg A funktioniert nicht. Wie komme ich an meine Bestätigung? Ah, Weg B ist die Lösung!“ Dieser Denkprozess verankert das Verhalten viel tiefer als stupides Wiederholen.
- Für dich: Du musst kreativ werden. Du musst analysieren: „Warum hat er das nicht verstanden? War mein Timing falsch? War meine Hörzeichen unklar?“
Lösungen erarbeiten ist anstrengend – aber effektiv
Natürlich ist es frustrierend, wenn man im Training stehenbleiben muss, korrigieren muss, neu ansetzen muss. Es sieht von außen „hässlich“ aus. Es wirkt stotternd, unrund und anstrengend.
Aber genau das ist effektives Hundetraining. Sich durch ein Problem durchzubeißen, nicht aufzugeben und gemeinsam mit dem Hund eine Lösung zu erarbeiten, schweißt zusammen.
Wenn du abbrichst, weil es nicht läuft, lernt der Hund nur eines: „Wenn es schwierig wird, hören wir auf.“ Wenn du aber dranbleibst, bis ihr (vielleicht in einem kleinen Teilschritt) Erfolg habt, lernt der Hund: „Es lohnt sich, sich anzustrengen. Wir finden gemeinsam einen Weg.“
Habt Mut zum „hässlichen“ Training
Hört auf, für die Galerie zu trainieren. Es ist völlig egal, was die Leute am Zaun denken. Es ist okay, wenn eine Einheit mal chaotisch wirkt. Es ist okay, wenn ihr schwitzt und der Hund frustriert ist, weil er nachdenken muss.
Wichtig ist nur eines: Dass ihr am Ende der Einheit einen Schritt weiter seid als am Anfang. Fortschritt misst man nicht daran, wie schön es aussah, sondern daran, welche Probleme ihr heute gelöst habt.
Also: Feiert die schwierigen Momente. Denn genau da werden die Champions gemacht.